Ostdeutsches Baumarchiv

Wüstungseiche in der Goor auf Rügen (Quercus robur), Umfang 6,10 m

Wüstungseiche in der Goor auf Rügen (Quercus robur), Umfang 6,10 m [Foto groß ansehen] "Und sie lebt immer noch..." Die Wüstungseiche in der Goor bei Lauterbach im Süden der Insel Rügen. Ihr wesentlich bekanntere nicht weit entfernt stehende Schwester, die Schirmeiche ist leider vor kurzem und binnen kürzester Zeit abgestorben. Die Wüstungseiche war 2009 bereits in sehr schlechtem Zustand, aber 2019 immer noch mit Restvitalität.
Sie steht abseits aller Wege eingeklemmt zwischen dem Rand einer Schonung und einem lockeren Bestand und wir hatten sie nur gefunden, weil sie auf einer Wanderkarte als Baumsymbol "ND Eiche in der Goor" eingetragen ist. Erst später fanden wir das schöne Büchlein "Die Goor, Natur - Landschaft - Kulturerbe" aus dem Jahr 2007, in dem die Eiche als älteste Eiche der Goor mit dem Namen "Wüstungseiche" beschrieben ist. An der Stelle wo der Baum heute steht befand sich ehemals eine Siedlungsstelle, die im dreißigjährigen Krieg wüst fiel.
In genanntem Büchlein wird ein Alter der Eiche von 600 Jahren angenommen, was weit übertrieben ist, üblicherweise wären 300-350 Jahre anzusetzen. Die Stieleiche wächst zwar aktuell sehr langsam (ca. 5 cm in 10 Jahren), was aber eher auf die geringe Vitalität zurückzuführen ist. Wahrscheinlich entstand frühestens nach dem Ende des dreißigjährigen Krieges und stand über die Jahrhunderte mal freier und mal weniger frei an einer Waldecke, je nach Nutzungsform des Geländes um ihren Standort herum. Heute ist die Krone knorrig und hoch angesetzt, der beulige Stamm zeigt aber, dass sie auch immer wieder Äste im unteren Stammbereich angesetzt hatte. Die Stieleiche als Lichtbaumart reagiert sehr stark auf Verschattung mit Absterben der betroffenen Kronenpartien.

Ort: Lauterbach.
Landkreis: Rügen.
Naturdenkmal: Ja.

Besucht in den Jahren: 2009, 2019.
Photo aus dem Jahr 2009, Messung aus dem Jahr 2019.

Quellen: (2005): Verordnung über Naturdenkmale des Kreises Rügen; Lebrecht, J. und Knapp, H.D. (2007): Die Goor, Natur - Landschaft - Kulturerbe, Hinstorff, Rostock.

GPS-Koordinaten: 54.346007, 13.524002.

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