Ostdeutsches Baumarchiv

Dicke Eiche im Waldstück "Hals" bei Frehne, Umfang 6,50 m

Dicke Eiche im Waldstück [Foto groß ansehen] Diese Eiche bescherte mir im Februar 2006 ein ganz besonderes und nachhaltiges Baumerlebnis. Schon HAUCHCORNE (1900) erwähnte sie mit folgenden Worten: "Im Bruch in einem Bestande eine Stieleiche von 5,60 m U, 20 m H, 19 m KD" und in einer alten Naturdenkmalsverordnung (NDVO 1956) hieß es: "Eine Eiche südostwärts Frehne im Waldtteil "Hals", 950 m ostwärts Ziegelei Frehne". Sogar aktuell war sie noch als ND ausgewiesen (NDVO 2001), also musste es sie wirklich noch geben, obwohl sie sonst weiter nicht besonders erwähnt oder bekannt war.

Die Prignitz ist mot öffentlichen Verkehrsmitteln nicht wirklich gut erschlossen, aber es fährt die Bahn von Pritzwalk nach Meyenburg, mit Halt in Brügge. Von dort war es eine winterliche und einsame Wnaderung über Felder und durch dichte Wälder. Zunächst nur liegender Schnee "von unten" setzte bald dichter Schnefall ein mit wirbelnden Flocken aus allen Richtungen. Nicht so einfach, wenn man eine Eiche sucht, von der man nur annähernd vermutet wo sie stehen könnte. Als ich schon dachte, oje, das wird nix mehr und Photos werden sowieso schwierig unter diesen Bedingungen, tauchte auf einmal ihr mächtiger, walzenförmiger Stamm im Schneegestöber auf. Was für eine Baumerfahrung der ganz besonderen Art, sogar das dichte Schneetreiben erbarmte sich, wurde weniger dicht und gab mir Gelegenheit, diesen außerordentlichen und einsamen alten Baumriesen auch einigermaßen photographieren und einige Zeit hier verweilen zu können.

Weiter ging es über die Wiesen und Felder, mit weiteren schönen Feldeichen, nach Meyenburg und vor dort mit dem Zug wieder zurück nach Berlin.

Meine herzlichen Grüße an alle Baum- und Naturfreunde, die sich auch einmal einen ganzen Tag zu Fuß oder auf dem Rad Zeit nehmen um einen Baum zu würdigen, und die Kultur- und Naturlandschaft in der er seit Jahrhunderten steht, die ihn seine Lebenszeit hindurch geprägt hat und die er wiederum prägt und bereichert. Leider gibt es immer wieder sogenannte Baumfreunde, von denen man beschimpft und beleidigt wird, wenn man nicht seine GPS-Koordinaten auf dem Silbertablett kredenzt, weil sie am liebsten mit dem Auto, so viele wie möglich an einem Tag abfahren müssen, am besten noch mit dem Fahrzeug bis unter die Krone fahren und Bäume nur konsumieren um sie als seelenlose Trophäen auf ihren Webseiten zu präsentieren um "Meister" ode erster Entdecker zu sein. Fuck off.

Der Weg sollte stets das Ziel sein und das Ziel das Sahnehäubchen obendrauf.

Ort: Frehne.

Landkreis: Prignitz.

Standort: Südöstlich des Ortes im Wald.

Zugang: Die Eiche ist öffentlich zugänglich.



Naturdenkmal: Nein.

Baumart: Stiel-Eiche, Quercus robur.



Besucht in den Jahren: 2006, 2017.



Quellen: HAUCHECORNE (1900): BArch B 245/256 und 245/257, Sammlung, Forstbotanisches Merkbuch der Provinz Brandenburg der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege, Berlin; NDVO (1956): Verordnung über Naturdenkmale im Kreis Pritzwalk; NDVO (2001): Verordnung über Naturdenkmale im Landkreis Prignitz.

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